Wie oft weinst du? Kommt es äußert selten vor und nur bei Schmerzen, Todesfällen und Begräbnissen? Dann lade ich dich ein, dich auch mal im Weinen zu anderen Anlässen zu üben. Beobachte kleine Kinder. Es geschieht ihnen Unrecht und sie beginnen zu weinen. Egal, ob körperlicher oder emotionaler Schmerz. Beides verletzt uns. Kinder geben der zugefügten Verletzung mit ihren Tränen Raum. Sie bekommen dadurch Aufmerksamkeit und Beachtung. Niemand lässt gerne ein Kind weinend stehen. Wir Erwachsene fühlen uns oftmals hilflos im Anblick der Tränen anderer. Es erinnert uns an unsere eigenen, nicht geweinten Tränen. Wir haben verlernt unseren Tränen Raum zu geben, und irgendwann können wir nicht mehr weinen. Wir verspüren vielleicht innerlich so etwas wie Trauer, doch eine Träne will sich nicht zeigen.

Weinen kann unendlich befreiend sein. Es hat die Kraft emotionale Schmerzen zu wandeln, bevor sie sich zu körperlichen Schmerzen verhärten. Tränen haben dieselbe Zusammensetzung wie Meereswasser. Ist das nicht genial? Wir tragen ein Stück Ozean in uns.

Diese Erkenntnis alleine lässt uns erahnen, dass wir ein Teil von etwas Größerem sind. Tränen zeigen uns den Weg zurück zu uns selbst. Wir lassen los, was nicht mehr stimmig für uns ist und öffnen uns für Neues. Wir können wieder empfangen, was zu uns kommen möchte.

Beim Aufräumen und Ausmisten kann dir manchmal zum Heulen zu Mute sein. Halte einen Moment inne und nimm deinen Schmerz wahr. Es ist der Schmerz darüber etwas loszulassen, dass du mal geliebt hast, mit dem du dich mal identifiziert hast. Es ist okay zu weinen. Es ist okay, Dinge aufzuheben, die gar nicht zu uns passen. Verurteile dich nicht dafür. Trink ein Glas frisches Wasser, öffne deine Fenster und nimm einen tiefen Atemzug.

Tränen helfen uns zu spüren, wer wir sind. Gib ihnen Raum. Irgendwann hören sie ganz von selbst auf, dein Reinigungsprozess ist abgeschlossen und du kannst die Dinge wieder klarer sehen. Nimm dir Zeit. Deine Dinge sind schon so lange ein Teil von dir, jede hat seinen eigenen Rhythmus sich davon zu verabschieden. Finde heraus, was für dich stimmig ist und lerne daraus, wenn du wiedermal den Impuls verspürst Gerümpel in dein Leben zu schleppen.

Sage öfters mal nein, und wisse, dass du dir einiges Leid damit ersparst. Sage ja zu dir und deinem Leben. Es ist deine Zeit und du bestimmst welche Dinge in dein Leben kommen und welchen du lieber gleich von vornherein die Tür versperrst. Achte beim nächsten Einkaufsbummel mal darauf. Wieviel davon wird später bei dir achtlos in der Ecke liegen und darauf warten, dass du dich davon wieder trennst? Was davon wird dir für längere Zeit Freude bereiten?

Das gilt für Gegenstände genauso, wie für einen vollen Terminkalender. Kannst du etwas streichen, dass du aus reinem Pflichtgefühl zugesagt hast? Sich Zeit für sich selbst zu nehmen ist eine wertvolle Ressource und genauso wichtig, wie sich Zeit für andere zu nehmen. Doch niemand hat etwas von deiner Zeit, wenn du nur von einem Termin zum nächsten hetzt. Zusätzlich setzt du dich damit unter Druck. Druck, der irgendwann ein Ventil sucht. Nimm dir Zeit für dich und schenk dir den Raum dafür!

Ich wünsche Dir angenehme Stunden mit Dir selbst!

Ich sehe Dich,

Deine Verena